Zeitbedarf 10 Std. bis Biwak
16! Std. bis Gipfel
Hochtouren-Schwierigkeit ZS+/S-
Hütte -Campingplatz
  Val Veny
-Refugio Q. Sella

Mont Blanc (4.807m) In Karte zeigen

via Tournette Sporn

Mont Blanc aus Richtung Dent du Geant

 

 

Tja, das ist schon eine große Route, auch wenn sie im Mont Blanc Gebiet natürlich nicht mit den ganz großen Graten mithalten kann.

Fang ich mal mit den Eckdaten an: Start im Tal Val Veny bei ca. 1650 Meter. Normalerweise aufgeteilt auf 2 Tage. Dabei übertrifft der erste Tag sowohl streckenmäßig als auch höhenmetermäßig den Zweiten. Wie viele Kilometer man am ersten Tag läuft, weiß ich gar nicht, schätze mal, so was um die zehn. Dazu kommen gut 1700 Höhenmeter bis man das Refuge Quintino Sella auf 3.371 Meter erreicht hat. Die Schwierigkeitsangaben liegen zwischen WS+ und S-. Meine Kletterkameraden vergeben ein ZS+. Im Vergleich mit dem Biancograt (ZS) hat dieser zwar schwierigere Kletterstellen, ist aber in der Gesamtanforderung deutlich leichter. Mir selbst fehlt schlicht und einfach ein Vergleich.

Es gibt Leute, die behaupten, der erste Tag wäre auch schwieriger als der Zweite, sowohl technisch als auch Wegfindungsmäßig. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich fand den zweiten Tag in allen Belangen schwieriger. Mit 1500 Höhenmeter im Aufstieg und mindestens 1000 runter und einer geschätzten Strecke von 6 km, ist er zwar auf dem Papier leichter, dazu kommt aber die Höhe, sowie die Kletterei, die durchwegs anspruchvoller ist als am ersten Tag. Aber der Reihe nach:

 

1.Tag:
Das letzte Grün MiragegletscherMan startet normalerweise in Visaille/Plan de Lognan. Parken darf man nach der Brücke bis zur Absperrung am Straßenrand. Es folgen ein paar Kilometer Teerstraße, dann ein kurz Wanderweg zur südlichen Seitenmoräne des Miragegletschers. Dieser ist hier unten eigentlich nicht zu sehen, denn er ist komplett mit Geröll bedeckt. Am Ende der Seitenmoräne verlässt man diese rechts runter auf den Gletscher. Den (schwachen) Markierungen und Steinmännern folgend geht es zirka ein Stunde weiter, bis man rechts die Zunge des Mont Blanc Geltschers erreicht.

Das untere Ende des Mont Blanc GletschersAls wir dort ankamen, war dieser aper. Folglich durften wir ein bisschen Eisklettern bis stellenweise 70%. In machen Beschreibungen ist erwähnt, das man nach Links auf den Grassrücken ausweichen kann. Wie das aber zurzeit gehen soll ist mir ein Rätsel. Wir blieben auf dem Gletscher, der oben im flacheren Teil ein wahres Labyrinth ist. Reichlich unübersichtlich das GanzeAuf ca. 3100 Meter, unterhalb der wieder steiler werdenden Rinne, quert man nach links zum Geröll und dieses hinauf zum Grat. Dem dann relativ unschwierig folgend bis man irgendwann den (Fahnen-)Masten vor dem Refugio erkennt. Das war es dann im Prinzip auch schon, wenn - ja wenn es bei der Hütte Schnee hat. Wenn nicht, so wie bei uns, dann darf man schon mal den Abstieg zum Gletscher erkunden um dort einen Topf, oder so wie wir, einen Rucksack voll Schnee zu holen. Wasser gibt's auf der Hütte keins. Auch wenn man Schnee bei der Hütte hat, empfehle ich trotzdem sich den Abstieg schon mal anzuschauen. Es ist unübersichtliches, IIer Gelände, das man nachts mit Strinlampe, absteigen darf. Und die Markierung/Steinmänner sind nicht unbedingt besonders gut sichtbar.

2.Tag (so sah er zumindest bei uns aus):
Da solltet ihr nicht rauf.Nun, uns war eine einfache Besteigung über den Tournettsporn zu einfach...OK stimmt nicht ganz, wir haben uns am zweiten Tag, schlicht und einfach verlaufen. Am selben Tag waren noch zwei Italiener mit uns auf der Hütte um ebenfalls den Tournette Sporn zu besteigen. Sie brachen ca. 1 Stunde vor uns auf. Auf dem steilen, ersten Stück des Gletschers direkt unterhalb der Hütte haben sie dann aber recht viel Zeit verloren. Das dachten wir zumindest und entsannen uns, das in irgendeiner Beschreibung (gemeint ist der DAV-Führer vom Mont Blanc Gebiet) stand, man könnte den Gletscher links durch die Felsen umgehen. OK, wir sind darauf hin links in eine Schenn-Rinne gestiegen und folgten dieser bis zum bitteren Ende. (Kommentar eines Kameraden beim Korrekturlesen:"Hast Du doch überlebt - oder?") Das Resultat: Es war 10 Uhr durch, wir waren ca. 150 Meter oberhalb des Gletschersattels und es gab keinen einfachen Weg hinunter. Nachdem wir endlich dem Sattel mittels Abklettern und Abseilen erreichten, hatte es bereits 11 geschlagen. Wir haben dann zwar noch ein paar Meter Richtung Tournette Sporn zurückgelegt, dann aber beschlossen zurück zur Hütte zu gehen. Die Schneeverhältnisse waren mittlerweile so schlecht, das eine Überquerung des Gletscherbeckens und der weitere Aufstieg über das dann folgende Firnfeld zu gefährlich und auch mühsam gewesen wäre. Eine gute Sache hatte es trotzdem, vom Ende der Rinne hat man einen herrlichen Blick auf den Tournette Sporn, den die meisten so wohl nie zu sehen bekommen. Tournette Sporn

Was war passiert? Wir haben uns am Tag davon schlecht umgeschaut oder uns von der 'schönen' Rinne verleiten lassen. Wahrscheinlich soll man erst gar nicht nach links in die Rinne, sondern sich irgendwie auf der rechten Seite des kleinen Grates (der links vom Gletscher link) in den Felsen nach oben durchschlagen. In der Beschreibung auf SummitPost, wird nur von einer Querung des Gletscher gesprochen, dann eine Rinne und Grat. Im Nachhinnein könnte das eine Varianate rechts von Gletscher zu sein, sieht aber eher nach extremesten Gelände mit erheblicher Stein- und  Eisschlaggefahr aus.

 

3.Tag (normalerweise sollte das der zweite sein):
Grober Routenverlauf Startet so früh wie möglich. Wir sind kurz nach zwei Uhr los. Erstmal wieder Absteigen auf den Geltscher. Über diesen dann hoch zum Sattel. Auch hier durften wir wieder Eisklettern, da der Geltscher sehr steil und so gut wie aper war. Er hat zwar ein paar Spalten, diese konnten wir aber entweder direkt queren oder rechts umgehen. Nach zirka vier Seillängen legt sich die Eisflanke zurück, man kann wieder normal am Seil gehen und erreicht dann auch gleich den Sattel. Von diesem aus sieht man dann, was einen den Rest des Tages noch so erwartet. Erst ein Gletscherbecken, dann ein kleiner Gletscherbruch (oder ist es doch eine Randspalte?), eine Firnflanke und viel Grat, mit ein paar Firngraten durchsetzt. Eingangs der Rinne zum Tournette GratWas man nur erahnen kann, sind die letzten Meter zum Gipfel über den Bossesgrat. Aber der Reihe nach. Das Gletscherbecken ist in knapp einer Stunde gequert, aber aufpassen, hier hat es richtig schöne Spalten. Beim Gletscherbruch hatten wir vorzügliche Bedienungen, es gab einen vorher nicht sichbaren 'Weg' hinnauf. Blick zurück.Dafür machte uns das Firnfeld zu schaffen. Hier waren die Bedienungen nicht gut, wir haben es fast komplett gesichert. Für die 300 Höhenmeter brauchten wir dann auch fast 3 Stunden. Der Übergang auf den Grat ist auch nicht so toll, erst eine brüchige Rinne rauf. Dann weiter rechts in weiterhin brüchigem Gestein nochmal 50 Meter aufgesteigen, bis auf dem Grat, dann in nicht mehr ganz so brüchigem Gestein immer weiter am Grat entlang. Ab und zu mal eine kurze Schnee/Firn/Eis-Passage. Wir hatten leider keinen Trittfirn und auch kein Blankeis, sondern einen ungefähr 5cm dicke sulzige Auflage. Zu wenig, das die Schuhe halten, zu viel für die Steigeisen. Richtig schön unangenehm. Wir haben trotzdem die Steigeisen jedes mal angezogen und danach wieder ausgezogen, was auch zu unsere nicht so guten Zeitbilanz begetrug...

Das Firnfeld an der Tournette SchulterIrgendwann mal, erreichten wir dann auch das 'große' Firnfeld an der Tournette-Schulter(4450m). Hier ging es im oben schon beschriebenen sulzigen Firn-Eis-Gemisch recht steil eine Firnflanke hinnauf, die an ihrem Ende noch von einer Wächte gekrönt war. Hier sollte man auf keinen Fall nach links zum Bossesgrat verleiten lassen. Es ist sinnlos (der Gipfel liegt rechts von einem), und sehr stark Lawinengefährdet Und zurück in die Felsen]Dann weiter über ein Firnfeld zu den letzten ca. 200 Höhenmeter Felsgrat, der nun in festerem, aber dafür auch in etwas schwerer Kletterei nach oben hin zum Bossegrat führt.

Die restlichen 150 Höhenmeter zum Gipfel werden dann unschwierig auf der Autobahn Bosses gemeistert. Ob es ein 'Problem' mit einem schmalem Grat gibt oder nicht, kann ich leider nicht sagen, da der Gipfel und damit auch wir ab 16:00 in den Wolken waren.

Vallot-BiwakNach kurz Gipfelfreunde, geht es dann 1000 Höhenmeter runter zur Gouterhütte. Die Autobahn war selbst im Nebel nicht zu verfehlen. Sollte es aber keine Spur geben, ist größte Vorsicht und Sorgfalt angesagt. Wenn es nur noch weiß um einen ist, hat man sich schneller verlaufen als man den Kompass ablesen kann. Vorbei an dem Vallot-Biwak. Dieses ist nur für Notfälle, auch wenn es wohl regelmäßig 'missbraucht' wird. Ehrbare Bergsteiger sollten sich auch an die Refeln halten und so zogen wir, trotz großer Müdigkeit, weiter. Kurzer Gegenanstieg zum Dome de Goûter, dann steil runter und über die Aig. du Goûter zur Goûter Hütte. Goûter-HütteEigentlich war der weitere Abstieg zur Tete Rousse geplant. Da wir aber erstens müde waren, ich zumindest, es zweitens mittlerweile acht Uhr durch war, es drittens auf der Goûter-Hütte widererwarten noch etwas zu Essen und Bier gab und es zum allem Überfluss auch noch Plätze im Lager hatte, haben wir uns entschieden dort zu nächtigen.

Am nächsten Tag folgte dann noch der Abstieg zur Bahnstation, den man bei schlechten Wetterverhältnissen auch nicht ganz unterschätzen sollte, die wir dann zum weiteren Abstieg auch benutzen.

 

So hier noch ein paar Impressionen, die ich nicht im Text untergebracht habe:

 

  Unterer Mont Blnac Gletscher   Mont Blanc Gletscher Wegverlauf vom Gletscher bis zur Hütte Nette Kletterei auf dem Grat
       
       
Obere teil des Grates Fahnenmast der Sella Hütte Tournette Sporn Teil der Mirageflanke
       
       
Blick vom Sattel zur Sella-Hütte Unterer Teil der Rinne zum Tournette Grat Aiguilles de Tré la Tête So sieht's am Tournette Grat aus
       
       
Kleine Felshindernisse Blick vom Firnfeld (4450m) nach Westen Auf den letzten Klettermetern Aiguille de Goûter
       
       
Aiguille de Midi Abstieg von der Goûter-Hütte Die Todesrinne Unser Weg